Dämmung für den Altbau
Alte Steildächer stellen bei der energetischen Sanierung besondere Anforderungen an Dämmstoff und Verarbeitung. Einblasdämmungen können auch unregelmäßige Hohlräume fugenlos ausfüllen und so Wärmeverluste wirksam reduzieren.
- Viele Steildächer im Bestand sind schlecht gedämmt: Wärmeverlust im Winter, Hitzestau im Sommer.
- Altbaudächer sind unregelmäßig; Matten/Platten erfordern Zuschnitt, riskieren Fugen und Hohlräume.
- Einblasdämmung füllt Hohlräume flexibel, erreicht Gauben/Kamine und kann Kondensat- und Schimmelrisiken senken.
- Cellulose aus Recyclingpapier bildet eine dichte, formstabile Schicht und kann Feuchte puffern.
- Sanierung oft ohne komplettes Abdecken; bei passender Konstruktion teils in 1 Tag, Förderung möglich.

Steildächer im Bestand als energetische Schwachstelle
Über 80 Prozent der Wohngebäude in Deutschland verfügen über ein Dach mit einer Neigung von mehr als 20 Grad. Ein wesentlicher Teil dieser Dächer gilt als nicht oder nur unzureichend gedämmt. Bei älteren Gebäuden geht über die Dachflächen im Winter Wärme verloren, während sich Räume darunter im Sommer stark aufheizen können. Die nachträgliche Dämmung alter Dachstühle stellt deshalb hohe Anforderungen an Material und Ausführung. Unterschiedliche Sparrenabstände und schwer zugängliche Bereiche machen klassische Lösungen aufwendig. Moderne Einblasdämmungen setzen an diesen Herausforderungen an und ermöglichen eine vergleichsweise schnelle und wirtschaftliche Sanierung, ohne die bestehende Dachkonstruktion grundlegend verändern zu müssen.

Alte Dachstühle verlangen flexible Lösungen
Beim Dämmen von Steildächern im Altbau stoßen herkömmliche Matten und Platten häufig an praktische Grenzen. Alte Holzbalken sind selten vollkommen gerade und auch die Abstände zwischen den Sparren können deutlich voneinander abweichen. Matten müssen deshalb genau zugeschnitten werden. Schon kleine Fehler beim Zuschnitt können Hohlräume oder offene Stoßfugen entstehen lassen. Hinzu kommen komplizierte Dachformen mit Kaminen und Gauben. Dort wird eine lückenlose Verarbeitung besonders anspruchsvoll. Flexible Einblasdämmstoffe passen sich den vorhandenen Hohlräumen an und erreichen auch schmale oder verwinkelte Bereiche. Marcel Bailey, Geschäftsführer des Cellulosewerks Angelbachtal, verweist darauf, dass sich so energetische Lücken schließen und Risiken durch Kondensat oder Schimmelbildung verringern lassen.

Cellulose füllt Gefache ohne offene Fugen
Das Cellulosewerk Angelbachtal produziert seine Climacell Dämmstoffe aus sauberem und sortenreinem Recycling Zeitungspapier. Bei der Verarbeitung wird das Material maschinell in geschlossene Gefache eingeblasen. Dadurch entsteht eine zusammenhängende Dämmschicht, die auch unregelmäßig geformte Zwischenräume ausfüllen kann. Cellulose kann zudem Feuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und später wieder abgeben. Beim Einblasen unter Druck verdichten sich die Flocken und verhaken sich miteinander. So bleibt die Dämmschicht bei fachgerechter Verarbeitung formstabil und kann ihre Position über lange Zeit halten. Eine Thermografieuntersuchung an einem vor rund 25 Jahren sanierten Haus zeigt, dass die Ausführung auch nach vielen Jahren funktionieren kann.

Wärmeschutz spielt auch im Sommer eine Rolle
Eine gute Dachdämmung soll nicht nur im Winter vor Wärmeverlusten schützen. Gerade bei Steildächern kann sich die Dachfläche im Sommer stark aufheizen und die Wärme an die darunterliegenden Räume weitergeben. Bei unzureichender Dämmung werden Dachgeschosse deshalb schnell unangenehm warm. Cellulose bringt dafür eine hohe Rohdichte und eine Wärmespeicherkapazität von rund 2.544 J/(kg·K) mit. Dieser Wert liegt fast doppelt so hoch wie bei vielen mineralischen Fasern. Die gespeicherte Wärme gelangt dadurch zeitlich verzögert in den Innenraum. Die Phasenverschiebung kann etwa zehn bis zwölf Stunden betragen. Ein großer Teil der tagsüber aufgenommenen Sonnenwärme wird damit erst in den kühleren Nachtstunden abgegeben und lässt sich dann durch Lüften wieder nach außen transportieren.

Sanierung ohne vollständiges Abdecken des Daches
Ein wichtiger Vorteil der Einblasdämmung liegt im vergleichsweise geringen Eingriff in die vorhandene Konstruktion. Das Dach muss für die Arbeiten nicht aufwendig vollständig abgedeckt werden. Dadurch entfallen Arbeitsschritte, die bei anderen Sanierungsverfahren Zeit und zusätzliche Kosten verursachen können. Wenn die baulichen Voraussetzungen passen und die Gefache vorbereitet sind, lässt sich ein Einfamilienhaus häufig innerhalb eines einzigen Tages dämmen. Das verkürzt die Bauzeit und reduziert die Belastung für die Bewohner. Gleichzeitig können Bereiche erreicht werden, die mit starren Dämmstoffen nur schwer zugänglich wären. Für Altbauten mit unregelmäßigen Dachstühlen entsteht so eine Möglichkeit, die energetische Qualität des Daches zu verbessern, ohne den gesamten Dachaufbau neu herstellen zu müssen.

Förderung kann die Investition zusätzlich erleichtern
Neben der schnellen Ausführung kann auch die staatliche Förderung die Entscheidung für eine energetische Dachsanierung erleichtern. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude kann eine finanzielle Unterstützung möglich sein, wenn die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt werden. Dadurch lässt sich ein Teil der Investitionskosten abfedern. Für Eigentümer älterer Wohngebäude kann die Einblasdämmung deshalb technisch und wirtschaftlich interessant sein. Sie verbindet eine fugenlose Ausführung mit der Anpassungsfähigkeit an bestehende Dachkonstruktionen und verbessert zugleich den Wärme und Hitzeschutz. Entscheidend bleibt eine fachgerechte Planung und Verarbeitung, damit die Dämmung die Hohlräume vollständig ausfüllt, dauerhaft formstabil bleibt und die vorhandene Konstruktion sinnvoll ergänzt.
Gerade bei älteren Dachstühlen zahlt sich eine Dämmtechnik aus, die mit unregelmäßigen Sparren, verwinkelten Bereichen und schwer zugänglichen Hohlräumen zurechtkommt. Einblasdämmstoffe bieten hier eine praktische Lösung und können zugleich den Wärmeverlust im Winter sowie die Aufheizung im Sommer reduzieren. Die vergleichsweise schnelle Verarbeitung macht das Verfahren für Sanierungen zusätzlich interessant.

