24-Volt-Beleuchtung im Neubau
Indirektes Licht in der Decke, eine beleuchtete Treppe, ein Lichtband in der Küche: Fast jeder Neubau bekommt heute LED-Streifen. Was viele Bauherrn nicht wissen: Diese Streifen hängen nicht am 230-Volt-Netz, sondern an einem eigenen 24-Volt-Kreis mit Netzteil. Wie dieser Kreis verlegt wird, entscheidet darüber, ob das Licht in fünf Jahren noch gleichmäßig leuchtet oder ob der Streifen am Ende dunkler ist als am Anfang. Die Planung dafür ist Rechenarbeit, keine Zauberei, und sie gehört in die Rohbauphase.
- 24 Volt Gleichspannung heißt: Bei gleicher Leistung fließt zehnmal so viel Strom wie bei 230 Volt, und viel Strom auf langer Leitung bedeutet Spannungsabfall, sichtbar als dunkleres Ende des Streifens.
- Faustregel: Der Spannungsabfall bis zum Streifen sollte unter drei Prozent liegen, also unter 0,7 Volt. Das begrenzt Leitungslänge oder verlangt einen größeren Querschnitt.
- Zentral im Verteiler oder dezentral in der Decke: Beide Varianten funktionieren, die zentrale braucht dickere Leitungen, die dezentrale mehr Revisionsöffnungen.
- Streifen über fünf Meter werden von beiden Enden eingespeist oder in mehrere Abschnitte mit eigener Zuleitung geteilt.
- Netzteile werden nach Leistung, Schutzart und Dimmbarkeit ausgewählt. Die Größe ergibt sich aus der Anschlussleistung der Streifen plus Reserve.

Warum 24 Volt eigene Regeln haben
Bei 230 Volt fließt für 100 Watt Licht knapp ein halbes Ampere. Bei 24 Volt sind es für dieselben 100 Watt gut vier Ampere. Der Strom ist also fast zehnmal so hoch, und die Verluste in der Leitung steigen mit dem Quadrat des Stroms. Was bei 230 Volt über 20 Meter niemand merkt, ist bei 24 Volt über 8 Meter schon sichtbar.
Der Effekt heißt Spannungsabfall. Am Netzteil liegen 24 Volt an, am Streifenanfang vielleicht noch 23, am Streifenende 21. Da die Helligkeit einer LED mit der Spannung sinkt, wird der Streifen zum Ende hin dunkler. Bei weißem Licht sieht man das ab etwa fünf Prozent Abfall, bei RGB-Streifen verschiebt sich zusätzlich die Farbe, weil die drei Farbkanäle unterschiedlich reagieren.
Die Rechnung, die jede Planung braucht
Der Spannungsabfall auf einer Kupferleitung lässt sich mit einer Formel abschätzen:
- ΔU = (2 × Länge × Strom) / (56 × Querschnitt)
Länge in Metern, Strom in Ampere, Querschnitt in Quadratmillimetern, die 56 ist die Leitfähigkeit von Kupfer. Der Faktor 2 steht für Hin- und Rückleiter.
Ein Beispiel: Eine 6 Meter lange Voute mit 10 Watt pro Meter kommt auf 60 Watt, bei 24 Volt entspricht das 2,5 Ampere. Die Zuleitung vom Netzteil ist 10 Meter lang und hat 1,5 Quadratmillimeter.
- ΔU = (2 × 10 × 2,5) / (56 × 1,5) = 50 / 84 = 0,6 Volt
Das sind 2,5 Prozent, noch im grünen Bereich. Bei 20 Metern Zuleitung wären es 1,2 Volt oder 5 Prozent, dann sollte der Querschnitt auf 2,5 Quadratmillimeter steigen.
Dazu kommt der Abfall auf dem Streifen selbst. Die Leiterbahnen einer LED-Platine sind dünn. Deshalb geben Hersteller eine maximale Länge pro Einspeisung an, meist fünf Meter bei 24 Volt. Längere Strecken werden von beiden Enden eingespeist oder in Abschnitte geteilt, die jeweils eine eigene Zuleitung bekommen.
Zentral oder dezentral: Wo die Netzteile sitzen
Im Neubau gibt es zwei Grundkonzepte.
Beim zentralen Aufbau sitzen alle Netzteile im Verteilerschrank auf der Hutschiene. Von dort geht je Lichtzone eine 24-Volt-Leitung in den Raum. Vorteil: Ein Ort für alle Technik, gute Belüftung, Wartung ohne Leiter. Nachteil: Die Niedervoltleitungen werden lang, im Einfamilienhaus schnell 15 bis 25 Meter. Dann sind 2,5 oder 4 Quadratmillimeter nötig, und der Platz im Verteiler muss von Anfang an eingeplant werden, ein Hutschienen-Netzteil mit 100 Watt belegt etwa vier Teilungseinheiten.
Beim dezentralen Aufbau sitzt das Netzteil nahe an der Beleuchtung, etwa in der abgehängten Decke des Flurs, in einer Revisionsöffnung oder im Sockel der Küche. Kurze Niedervoltleitungen, dafür braucht jede Zone eine 230-Volt-Zuleitung und einen zugänglichen Einbauort. Wer die Revisionsöffnung vergisst, muss beim ersten Defekt die Decke öffnen. Das passiert Bauherr:innen öfter, als man denkt.
In der Praxis wird oft gemischt: Erdgeschoss zentral aus dem Verteiler, Obergeschoss dezentral aus der Flurdecke.
Das passende Netzteil auswählen
Drei Fragen entscheiden über das Gerät:
Wie viel Leistung? Die Anschlussleistung aller Streifen an diesem Gerät, mit einem Fünftel Aufschlag als Reserve. Ein Netzteil, das dauerhaft am Limit läuft, wird heiß und altert schneller. Eines, das nur zu 10 Prozent ausgelastet ist, arbeitet mit schlechtem Wirkungsgrad. Die Stufen im Handel liegen zwischen 30 und 600 Watt, ein Blick auf die Übersicht bei SK-LED zeigt die üblichen Abstufungen und Bauformen.
Welche Schutzart? Im Verteiler und in trockenen Decken reicht IP20. Für Bad, Außenbereich oder Feuchträume braucht es IP65 bis IP67. Im Bad gilt zusätzlich: Das Netzteil sitzt außerhalb der Schutzbereiche 0 bis 2, auch wenn die 24-Volt-Seite als Schutzkleinspannung im Bereich selbst zulässig ist.
Dimmbar oder nicht? Ein normales Netzteil lässt sich nicht dimmen. Wer einen klassischen Wanddimmer nutzen will, braucht ein Triac-dimmbares Gerät. Wer stattdessen einen Controller auf der 24-Volt-Seite einsetzt, etwa für Tunable White oder Funksteuerung, kommt mit einem Standardnetzteil aus. Die zweite Variante ist meist flackerfreier und lässt sich später erweitern.
Was noch in den Rohbauplan gehört
- Getrennte Leerrohre für 230 Volt und 24 Volt. Die Niedervoltleitung ist Schutzkleinspannung und wird separat geführt.
- Absicherung der 24-Volt-Seite. Viele Netzteile haben einen Kurzschlussschutz, bei mehreren Abgängen aus einem Netzteil gehört je Abgang eine Feinsicherung dazu.
- Tasterleitungen. Wer per Wandtaster dimmen will, braucht eine Leitung vom Taster zum Controller. Bei KNX oder DALI läuft das über den Bus, bei Funk entfällt sie.
- Einspeisepunkte am Streifen. Bei Streifen über fünf Meter zwei Zuleitungen einplanen, eine an jedem Ende.
- Aluprofil als Kühlkörper. Streifen, die direkt auf Holz oder in geschlossenen Vouten kleben, werden warm und verlieren früher an Helligkeit.

Fazit: Der Querschnitt entscheidet, nicht das Netzteil
Ob ein LED-Streifen im Neubau gleichmäßig leuchtet, hängt weniger vom Streifen ab als von dem, was davor liegt. Die Rechnung aus Leistung, Leitungslänge und Querschnitt dauert fünf Minuten und gehört zu jeder Lichtzone. Wer sie vor dem Verputzen macht, kann Leerrohre und Netzteilstandorte noch frei wählen.
Danach ist es Arbeit für die Elektriker: Netzteil mit passender Leistung und Schutzart, getrennte Leitungsführung, beidseitige Einspeisung bei langen Strecken. Was übrig bleibt, ist ein Lichtband, das am Ende genauso hell ist wie am Anfang.
Häufige Fragen
Warum wird mein LED-Streifen zum Ende hin dunkler?
Das ist Spannungsabfall. Auf der Zuleitung und auf dem Streifen selbst geht Spannung verloren, und eine LED leuchtet bei weniger Spannung schwächer. Abhilfe: dickerer Leitungsquerschnitt, kürzere Zuleitung oder Einspeisung von beiden Enden.
Wie lang darf die Leitung vom Netzteil zum LED-Streifen sein?
Das hängt von Strom und Querschnitt ab. Bei 2,5 Ampere und 1,5 Quadratmillimetern sind rund 10 Meter unkritisch, bei 20 Metern sollten es 2,5 Quadratmillimeter sein. Ziel ist ein Spannungsabfall unter drei Prozent, also unter 0,7 Volt.
Sollten LED-Netzteile zentral im Verteiler oder in der Decke sitzen?
Beides ist üblich. Zentral bedeutet gute Wartung und Belüftung, aber lange Leitungen mit größerem Querschnitt. Dezentral bedeutet kurze Wege, aber eine Revisionsöffnung je Standort. Viele Neubauten kombinieren beides.
Kann ich mehrere LED-Streifen an ein Netzteil hängen?
Ja, solange die Summe der Leistungen unter der Nennleistung des Netzteils liegt, mit Reserve. Jeder Abgang sollte dann eine eigene Feinsicherung bekommen, und die Leitungslängen werden getrennt berechnet.
Darf ein 24-Volt-Netzteil im Bad installiert werden?
Außerhalb der Schutzbereiche 0 bis 2 ja, mit passender Schutzart. Die 24-Volt-Seite gilt als Schutzkleinspannung und darf in die Bereiche hinein, das Netzteil selbst nicht. Die Details klärt die Elektrofachkraft nach DIN VDE 0100-701.

