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16.01.2026
Wenn unsichtbare Rohre zur Gefahr werden
Abwasserrohre führen ein verborgenes Dasein hinter Wänden und unter Böden. Jahrzehntelang verrichten sie zuverlässig ihren Dienst, bis plötzlich erste Warnzeichen auftreten. Ein leichter Modergeruch im Keller, langsam abfließendes Wasser oder unerklärliche Feuchtigkeit an Wänden können auf ernsthafte Probleme hindeuten.
TL;DR - Das Wichtigste in Kürze
- Alte Rohre (Gusseisen/Steinzeug) altern: Korrosion, Risse, Ablagerungen bleiben oft lange unbemerkt.
- Warnzeichen: Gluckern, wiederkehrende Gerüche, Verstopfungen; Rückstau kann Abwasser in Wohnräume drücken.
- Schwachstellen: Übergänge & Dichtungen (Hanf/Blei), Wurzeleinwuchs, Setzungen; Spannungen erzeugen Leckagen.
- TV-Kamera & Dichtheitsprüfung liefern Klarheit, Dokumentation und helfen, große Schäden/Versicherungsprobleme zu vermeiden.
- Grabenlose Sanierung (Inliner/Point-Liner) oft ohne Aufgraben; stark deformierte Leitungen brauchen offene Bauweise.

Die Folgen solcher Schäden reichen von unangenehmen Gerüchen über Verstopfungen bis hin zu massiven Wasserschäden. Rückstau kann sogar dazu führen, dass Abwasser in Wohnräume eindringt – ein hygienisches Desaster mit erheblichen finanziellen Konsequenzen.
Hinzu kommen akustische Hinweise: Gluckern in Abflüssen oder wiederkehrende Gerüche trotz Reinigung deuten auf Belüftungsprobleme oder starke Ablagerungen hin. Auch Setzungen im Gebäude und Temperaturwechsel belasten alte Verbindungen, sodass zunächst feine Haarrisse und später offene Leckagen entstehen. Wer früh reagiert, veranlasst eine Zustandsprüfung, plant Instandsetzungen vorausschauend und vermeidet unkontrollierte Notmaßnahmen.
Typische Schwachstellen alter Rohrsysteme
Jedes Material hat seine spezifischen Alterungsprozesse. Gusseisenrohre neigen zur Korrosion von innen nach außen, wodurch sie spröde werden und brechen können. Steinzeugrohre wiederum leiden unter Wurzeleinwuchs und mechanischer Belastung durch Bodenbewegungen.Verbindungsstellen zwischen einzelnen Rohrabschnitten stellen weitere Schwachpunkte dar. Dichtungen aus Hanf oder Blei, wie sie früher üblich waren, verlieren ihre Elastizität und werden undicht. Kunststoffrohre aus früheren Baujahren können durch chemische Einwirkung verspröden, insbesondere wenn Fette und Tenside harte Beläge bilden, die den Querschnitt verengen. In älteren Installationen finden sich zudem Beton- oder Asbestzementleitungen, die an Bögen und Abzweigen zu Materialermüdung neigen.
Besonders kritisch sind Übergänge zwischen verschiedenen Materialien. Wenn beispielsweise alte Gusseisenrohre mit neueren PVC-Leitungen verbunden wurden, entstehen durch unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten Spannungen. Diese führen zu Rissen und Undichtigkeiten, durch die Abwasser ins Erdreich sickert und das Fundament gefährdet.
Hinzu kommen Setzungen im Untergrund, die zu Rohrabsenkungen führen. An solchen Senken bleibt Schmutzwasser stehen, es lagern sich weitere Partikel an, und Verstopfungen werden wahrscheinlicher. In Schächten und schlecht belüfteten Bereichen kann außerdem biogene Schwefelsäure entstehen, die metallische Oberflächen zusätzlich angreift.
Professionelle Inspektion schafft Klarheit
Eine fachgerechte Kanaluntersuchung mittels TV-Kamera gibt Aufschluss über den tatsächlichen Zustand der Rohrleitungen. Spezialkameras fahren durch das gesamte System und dokumentieren Schäden, Ablagerungen und kritische Stellen präzise. Auf Wunsch lassen sich Leitungsverläufe orten und in Plänen nachvollziehbar festhalten.Eine normgerechte Dichtheitsprüfung zeigt, ob das System noch wasserdicht ist oder bereits Leckagen aufweist. Dabei werden die Rohre mit Wasser oder Luft unter Druck gesetzt und auf Druckverlust geprüft. Selbst kleinste Undichtigkeiten lassen sich so aufspüren. Die Ergebnisse werden protokolliert, fotografisch belegt und zu einer verständlichen Zustandsbewertung zusammengeführt.
Die Kosten einer professionellen Inspektion amortisieren sich, wenn dadurch größere Schäden verhindert werden. Ein unentdeckter Rohrbruch kann Schäden in erheblichen Beträgen nach sich ziehen. Zudem verlangen viele Versicherungen belastbare Nachweise über den ordnungsgemäßen Zustand der Abwasserleitungen, um im Schadensfall die volle Deckung zu gewährleisten. Eine saubere Dokumentation erleichtert außerdem die Planung der Sanierung und die Abstimmung mit Kommunen oder Eigentümergemeinschaften.
Moderne Sanierungsverfahren ohne Grabungsarbeiten
Grabenlose Sanierungsmethoden revolutionieren die Instandsetzung defekter Abwasserrohre. Beim Inliner-Verfahren wird ein harzgetränkter Gewebeschlauch in das beschädigte Rohr eingebracht und ausgehärtet. So entsteht ein neues, stabiles Rohr im alten System. Die Aushärtung erfolgt je nach Verfahren mit Warmwasser, Dampf oder Licht, nachdem das Altrohr zuvor durch Hochdruckreinigung und Fräsen sorgfältig vorbereitet wurde.Das Point-Liner-System eignet sich besonders für punktuelle Schäden. Dabei werden nur die defekten Stellen mit speziellen Manschetten abgedichtet. Diese Methode spart Zeit und Kosten, wenn das Rohrsystem ansonsten noch intakt ist. Seiteneinläufe lassen sich mit sogenannten Hutprofilen anbinden, sodass die Dichtigkeit auch an Abzweigen erhalten bleibt.
Für die Rohrsanierung sollten Sie ausschließlich zertifizierte Fachbetriebe beauftragen. In der Region Mittelfranken gibt es beispielsweise in Nürnberg einen Fachbetrieb für Rohrsanierung, der verschiedene grabenlose Verfahren anbietet. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine aufgerissenen Böden, keine zerstörten Gartenanlagen und eine deutlich kürzere Bauzeit bei gleichzeitig langlebigen Ergebnissen. Wichtig ist zudem die Prüfung der statischen Anforderungen und der Zulassungen der verwendeten Materialien, denn stark deformierte oder kollabierte Leitungen erfordern oft eine offene Bauweise.
Warum Eigenleistung keine Option ist
Bei Arbeiten an Abwasserleitungen ist höchste Vorsicht geboten. Unsachgemäße Reparaturversuche können das Problem verschlimmern und zu erheblichen Folgeschäden führen. Schon ein falsch gesetzter Rohranschluss kann massive Wasserschäden nach sich ziehen. Häufige Fehler sind unzureichende Belüftung, falsch dimensionierte Leitungen oder unsaubere Verklebungen, die wenige Zeit später erneut undicht werden.Die rechtlichen Aspekte sprechen ebenfalls gegen Eigenleistung. Arbeiten an der Grundstücksentwässerung unterliegen strengen Vorschriften und müssen fachgerecht ausgeführt werden. Bei selbst verursachten Schäden verweigern Versicherungen häufig die Kostenübernahme. Zusätzlich verlangen viele Kommunen eine ordentliche Dokumentation von Prüfungen und Maßnahmen, damit die private Entwässerungsanlage den geltenden Regeln entspricht.
Professionelle Sanierungsunternehmen verfügen über Spezialwerkzeuge, Fachwissen und Erfahrung, die für eine dauerhafte Lösung unerlässlich sind. Sie gewährleisten nicht nur die technisch einwandfreie Ausführung, sondern übernehmen auch die Gewährleistung für ihre Arbeit. Das schützt Hausbesitzer vor unkalkulierbaren Risiken und sichert langfristig den Werterhalt der Immobilie. Fachbetriebe koordinieren auf Wunsch außerdem die Abstimmung mit Versicherungen, Gutachtern und Behörden, sodass Sanierungsablauf und Nachweise aus einer Hand kommen.
Autor / Quelle: t.tf.

