Nervensystem des modernen Hauses

Neue kleine elektronische Helfer erobern die Einfamilienhäuser in ganz Europa. Mehr aufgrund einer EU Vorschrift als gänzlich freiwillig, aber sie kommen. Bis 2022 soll zumindest in ganz Deutschland der sogenannte „intelligente Stromzähler“ in jedem Haushalt installiert sein.

Das zentrale Nervensystem des modernen Hauses. Foto: flickr.com / bpmm
Das zentrale Nervensystem des modernen Hauses. Foto: flickr.com / bpmm
 


Experten gehen dabei von einer effektiven Verbrauchsersparnis von fünf bis zehn Prozent aus. Doch bevor diese erreicht werden kann, müssen noch viele Hebel umgelegt werden. Seit 2010 ist es bei Neubauten schon jetzt Pflicht die kleinen Helfer mit einzubauen. In Haushalten, die größer als vier Personen sind, müssen diese nachgerüstet werden.

Was leisten die Geräte?


Was viele nicht wissen, ist, dass nachts, wenn alles schläft und der Energieverbrauch im Allgemeinen niedriger ist, der Strompreis sprunghaft billiger wird. Die Intelligenten Stromzähler ermöglichen es dem Kunden live der Entwicklung des aktuellen Strompreises zu verfolgen. Seit Ende letzten Jahres sind die Energieversorger nämlich dazu verpflichtet, zeitvariable Stromtarife anzubieten.

Bei den Geräten gibt es dabei durchaus Unterschiede. So wurden auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) Geräte vorgestellt, die sich komplett mit dem hauseigenen System zum Verwalten der Stromverteilung vernetzen. Solche Geräte informieren den Kunden dann nicht nur über die aktuellsten Strompreise, sondern sind in der Lage, die Waschmaschine oder den Geschirrspüler zum günstigsten Tagespreis anzuschalten. Das spart übers Jahr deutlich Geld.

Des Weiteren ist so ein Gerät in der Lage zu erkennen, wann etwa die variable, zum Beispiel wetterabhängige Einspeisung des durch Windkraft gewonnen Stroms am höchsten ist. Andersherum können diese Geräte den Stromanbietern den aktuellen, hauseigenen Bedarf an Strom weiterleiten, was es den Konzernen ermöglicht, etwa aus Überlastungsschutz der Netze gesperrte Windenergie, mit einfließen zu lassen. So ist eine viel bessere und zeitlich deutlich aktuellere Abstimmung zwischen Stromverbrauchern- und Erzeugern gewährleistet. Das führt zu günstigeren Preisen.

Die Kehrseite der Medaille


Soweit die Theorie. In Wirklichkeit ist es zurzeit noch so, dass etwa die Stromerzeuger nicht mit ausreichend variabel gestalteten Stromtarifen aufwarten können, obwohl sie dazu eigentlich gesetzlich verpflichtet sind.
Auch befürchten viele Datenschützer, dass der gläserne Kunde, der seinen minütlich aktualisierten Stromverbrauch an den Energiekonzern schickt, letztendlich durch diese Transparenz mit höheren Gebühren konfrontiert wird.

Ob die Technik der variablen und automatischen Aktivierung verschiedener Stromfresser wirklich sinnvoll ist, scheint fraglich. Wer hört schon gerne nachts das Hämmern der Waschmaschine oder steht gar mitten in der Nacht auf, um die Wäsche aufzuhängen. Auch bringt diese Technik bei Dauerverbrauchern wie einem Kühlschrank nichts.

Die Technik wird sich noch weiter entwickeln und im Ergebnis auch zu günstigeren Gebühren führen. Wer aktuell aktiv Energie sparen will, sollte aber zunächst auf moderne Haushaltsgeräte setzen. So spart man jedes Jahr im Vergleich zu den Neunzigern allein mit einem einzelnen modernen Trockner circa 200 Euro im Jahr.

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Ergänzende Informationen
 Quelle: e.r.   
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